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13.02.21

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Hundebiss – was der Halter wissen sollte

Normalerweise kennt jeder seinen Hund so gut, dass er genau weiß, wann er ihn laufen lassen darf und wann nicht – beziehungsweise ob er ihm nicht besser einen Maulkorb anlegt, wenn es unter Leute geht. Trotz Erziehung und einem ansonsten ruhigen Wesen kann es aber zu Situationen kommen, in denen ein Hund Schmerzen, Panik oder Verteidigungsabsichten hat und deswegen plötzlich jemanden beißt, obwohl es jahrelang aussah, als wäre er die friedlichste Hundeseele auf Erden.

Die Angst vor solchen Ereignissen ist bei vielen Hundehaltern quasi ein Dauerbegleiter auf jedem Spaziergang. Nicht nur den eigenen Hund betreffend, sondern eher auf andere Hundehalter und Hunde bezogen – denn die kann man sehr schlecht einschätzen. Bei einer Konfrontation hat man es mit den eigenen Gefühlen zu tun, aber natürlich auch mit seinem Hund. Wie schnell ist man dann überfordert und das Opfer ist dann der eigene Vierbeiner, sein Kontrahent oder beide.

Noch schlimmer ist es, wenn nicht andere Tiere, sondern Menschen das Opfer eines bissigen Hundes werden. Schlimme, manchmal sogar tödliche Verletzungen sind immer wieder zu beklagen. Die Gerichte allerorts sind gut beschäftigt mit Schadensersatz und Schmerzensgeld Forderungen – und bei den Haftpflichtversicherungen für Hundehalter geht tagtäglich ein Schwung neuer Meldungen ein, wo nicht Sachbeschädigungen zu regulieren sind, sondern Menschen verletzt wurden.

Nicht gewusst? Auf den Aggressor kommt es an

Das wichtigste bei jedem Vorfall sind verlässliche Zeugen, die die Situation schildern können. Sicher wird dies manchmal auch dem Hundehalter zum Verhängnis, wenn sich zum Beispiel herausstellt, dass er trotz Verbotes seinen Hund ohne Leine hat frei laufen lassen und es deswegen zu Auseinandersetzungen kommt. Sind zwei Hunde nicht angeleint unterwegs sind beide Halter zu gleichen Teilen schuld, zumindest dann, wenn keine besonderen Anlässe zu einer blutigen Konfrontation führten. Sobald sich jemand als Auslöser dieser Situation zeigt, stellt sich die Schuldfrage aber ganz anders dar. Das geschieht zum Beispiel, wenn der Hund von seinem Halter aufgehetzt wird, wenn das Tier geschlagen oder anderweitig misshandelt wird und deswegen wild um sich beißt. Schuld an einem Hundebiss kann auch ein Junge zugesprochen haben, der den Hund mit einem Böller erschreckt hat und dadurch für einen Panikanfall beim Tier gesorgt hat.

Beim Oberlandesgericht Karlsruhe hat es ein Urteil gegeben, bei dem ein nicht angeleinter Hund die Schuld an einem Hundebiss zugesprochen bekam, obwohl er selbst womöglich gar nicht gebissen hatte. Die Situation kam zustande, als der Vierbeiner vor dem Anleinen aus dem Kofferraum entkommen konnte. Er stürzte auf einen anderen Hundehalter zu, ohne dass seine Besitzerin eine Chance hatte, ihn aufzuhalten. Der gegnerische Hundehalter kam während der Auseinandersetzung zu Fall und wurde von einem der beiden Hunde mehrfach am Kopf gebissen, musste genäht und ärztlich versorgt werden. Es konnte anhand von Zeugenaussagen und Angaben der Beteiligten nicht herausgefunden werden, welcher Hund letztendlich die Verletzungen verantwortet hatte – dennoch bekam der aus dem Kofferraum entwichene Hund beziehungsweise dessen Halterin die Schuld in zweiter Instanz zugesprochen.

Ein vorheriges Gericht hatte die Klage abgewiesen, da der „Beißer“ nicht klar zu identifizieren war. Das LG Karlsruhe urteilte jedoch, dass die Tatsache, dass der entlaufene Hund durch sein Zustürmen auf den anderen Hundehalter und dessen Tier dadurch der Auslöser der Verletzungen war. Die Hundehalterin musste Verdienstausfall für 5 Tage Krankheit und Schmerzensgeld im deutlich vierstelligen Bereich bezahlen. (Haftung des Tierhalters, § 833 BGB – OLG Karlsruhe 10. Oktober 2019, AZ 7 U 86/18)

Wie verhalte ich mich, wenn mein Hund gebissen hat?

✔️ Den Hund sichern und beruhigen – wenn es möglich ist, muss der Hund an die Leine genommen werden. Bitten Sie Passanten, zu helfen. Sollte der Hund auf der Flucht sein, müssen Sie abwägen, was wichtiger ist – den Hund vor weiteren Konfrontationen sichern oder erste Hilfe leisten.
✔️ Erste Hilfe beim Verletzten: Egal, ob Mensch oder Tier. Ist es zu einer blutenden Verletzung gekommen, ist jeder zur Soforthilfe verpflichtet. Beim Menschen: Die Versorgung der Wunde, die Stabilisierung des Kreislaufs, das Informieren von Rettungsdienst beziehungsweise Notarzt ist nun wichtig. Bei einem Hund: Versorgung der Wunde, Sichern des Tieres und schnellstmöglicher Transport zu einem Tierarzt oder in eine Tierklinik.
✔️ Zeugen ansprechen: Bitten Sie alle Beteiligten, vor Ort zu bleiben, um das Geschehen zu bezeugen. Auch, wenn Sie sich Ihrer Schuld bewusst sind, verzichten Sie nicht darauf, die Polizei zu informieren, die den genauen Hergang protokolliert. Auch das Ausmaß der Verletzungen wird hierbei festgestellt, wodurch überhöhte Schmerzensgeld Forderungen ausgeschlossen werden.

Die Hundehalter Haftpflicht

Beim Abschluss einer Hundehalter Haftpflichtversicherung muss sich der Hundehalter als Versicherungsnehmer genau informieren, welche Leistungen in welchem Schadensfall durch die Police abgedeckt sind. So gibt es zum Beispiel Grenzen, wenn es um die Zerstörung von Eigentum durch den eigenen Hund geht: Die Versicherung zahlt nicht, wenn es eigene Gegenstände oder die naher Angehöriger sind. Gleiches gilt für Schuldfragen in allen möglichen Situationen. Wie bei allen Versicherungen gilt: Je mehr Leistungen die Haftpflicht abdeckt, umso teurer sind die Beiträge.


 

Bild von Sonja Kalee auf Pixabay

Über den Autor

Kai Nagel – Geschäftsführer bei R.Bubeck & Sohn

Kai Nagel ist Geschäftsführer der ältesten Hundefutter-Manufaktur der Welt, Bubeck, die seit 1893 besteht. Geboren in eine Familie mit einer tiefen Verwurzelung in der Landwirtschaft und der Tierernährung, bringt Kai über 50 Jahre Erfahrung und ein umfassendes Verständnis für die Bedürfnisse von Hunden mit. Seit die Familie Nagel die traditionsreiche Firma 1982 übernommen hat, setzt Kai die Vision fort, hochwertige Hundefutterprodukte zu entwickeln, die Gesundheit und Wohlbefinden von Hunden fördern. Mit seiner Leidenschaft für die Tierernährung und seinem umfangreichen Wissen teilt Kai in seinen Blogartikeln wertvolle Tipps und Einblicke, um Hundehaltern zu helfen, die bestmögliche Ernährung für ihre Vierbeiner zu finden. Bubeck füttert die Hunde!

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