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06.12.20

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Die richtige Auslastung eines Hundes – zwischen Langeweile und Überforderung

Ein Hund liegt gelangweilt auf der Couch, gähnt, blickt verschlafen um sich und schließt seine Augen wieder. Er weiß nichts mit sich anzufangen – bis seine Menschen die Wohnung verlassen. Dann heißt es Rambazamba mit allem, was nicht niet- und nagelfest ist. Sofakissen gibt es in dieser Wohnung nicht mehr – und Schuhe werden am besten sicher verstaut. Das Sofa selbst ist angebissen und zerkratzt, die Fensterbänke sind nur noch mit bruchsicherer Ware dekoriert. Topfpflanzen gab es nur in der Vergangenheit und Zeitungen sind abbestellt. Sind die Menschen daheim, ist dieser Hund brav und folgsam, verschmust und kinderlieb. Doch kaum bleibt er alleine, entwickelt er sich zum zerstörerischen Monster, dem nicht beizukommen ist.

Bei einem Hundetrainer klagen die Besitzer des Vierbeiners ihr Leid. Auf die Frage, welche Rasse es denn sei, bekommt der Fachmann die Antwort: „Na ein Husky! Er ist so brav, pennt den ganzen Tag und dreht nur durch, wenn wir nicht da sind.“ Für den Hundetrainer ist sofort klar: Das Verhalten des Hundes hat – zumindest in erster Linie – wenig bis nichts mit dem Alleinsein zu tun. Er nutzt einfach nur die Zeit, in der er keine Schelte zu erwarten hat, um sich einmal richtig auszutoben. Er ist gelangweilt, unterfordert und hat viel zu viel überschüssige Energie. Beim weiteren Gespräch stellt sich heraus, dass die arme Fellnase vier Mal am Tag ein wenig Gassi geht, mit dem Tier kaum gespielt wird, er aber dafür sehr kuschelbedürftig sei. Diese erfundene Situation verdeutlicht Fehler in der Hundehaltung, die oft schon vor der Anschaffung eines Tieres begangen werden.

Vor dem Hundekauf nachdenken!

Bevor man seinem Wunsch nach einem eigenen Hund nachgibt, sollte man ganz klar seine eigenen Verhältnisse prüfen. Wie sieht es finanziell aus, wie viel Zeit habe ich am Tag? Bin ich eher sportlich oder doch der gemächliche Typ? Habe ich Lust, mich mit einem Hund über das Füttern, Bürsten und Gassigehen hinaus zu beschäftigen? Oder reicht es, ab und an einen Ball zu schmeißen? Will ich einen agilen, flinken und intelligenten Hund, der Leistung erbringen kann oder ein Vorzeige Hündchen mit dem Hauptaugenmerk auf süßem Aussehen? Erst wenn diese Fragen klar beantwortet sind, kann man damit beginnen, sich einmal nach Rassen umzusehen, die in Frage kommen.

Um bei der oben geschilderten Situation zu bleiben: Der Husky ist kein Hund für Stubenhocker, die nicht von der Konsole oder vom Fernseher wegzubekommen sind. Er will laufen und arbeiten und fühlt sich richtig wohl, wenn er sich wirklich gut auspowern kann. Mehrere Kilometer pro Tag sind Pflicht – nach entsprechendem Training neben einem Fahrrad, beim Joggen, als Zughund oder zumindest bei flotten Spaziergängen. Ein Seniorenpärchen mit Zipperlein in den Gelenken ist dieser Aufgabe ebenso wenig gewachsen, wie jemand, der den lieben langen Tag zockt, Filme schaut und am Abend in die Disco rennt. Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, bedeutet also auch, sich einzugestehen, was man schaffen kann (und will), ohne dass ein MUSS daraus wird. Sonst ist ein Leidensweg für das Tier vorprogrammiert, der sich in Fehlverhalten äußert. Von Lebensqualität des Hundes ist dann keine Rede mehr und der Mensch empfindet sein Tier als Last, als Bürde.

Wie kann man einen Hund auslasten?

Das Ziel der Auslastung ist es, den Hund zufrieden zu stellen. Das kann nicht mit einem pauschalen Rezept geschehen, denn jede Rasse und jeder Mischling bringt andere Voraussetzungen mit sich – und auch das Individuum Hund, also der höchst eigene Charakter eines jeden Tieres sollte berücksichtigt werden. Unter Auslastung versteht man alles, was nicht mit Füttern, Pflege oder den Routine Gängen zum Verrichten der Geschäfte zu tun hat.

Ein Hund muss beispielsweise emotional ausgelastet sein. Zurückweisung, Alleinsein, das Bevorzugen anderer Tiere: So ein Hund ist unglücklich und wird das auch zeigen. Die Freude beim Wiedersehen nach einer Trennung muss erwidert werden, das Tier will gelobt und geliebt werden. Das eine mehr, das andere weniger – einige fordern ihren Anteil an Emotionen von selbst ein, andere ziehen sich zurück, wenn sie auf der Gefühlsebene vernachlässigt werden.

Der nächste Punkt ist natürlich die körperliche Auslastung. Diese ist rasseabhängig gut einzuschätzen, unterscheidet sich aber auch je nach Hund, dessen Alter, Gewicht, Gesundheitszustand und Interesse an der gerade geplanten Aktivität. Der Hundehalter muss herausfinden, wobei sein Hund den meisten Spaß hat. Er sollte ihn zu nichts zwingen – so gibt es beispielsweise Hunde, die es nicht mögen, neben einem Fahrrad herzulaufen oder zu schwimmen, während andere nichts schöner finden, als eben dies.

Weiter geht es mit der geistigen Auslastung. Zu diesem Thema gehört alles, was mit Lernen, Verstehen und Anwenden erlernter Dinge zu tun hat. Das Apportieren, Leckerli Suchspiele, Pfötchen geben und Männchen machen – auch für Hunde gibt es viel zu tun. Nicht nur, dass es wirklich sehr süß ist, wenn der kleine Wauz eine Menge Tricks kann: Das Lob, das er erhält, macht den Vierbeiner glücklich und er ist geistig ausgelastet. Natürlich erfordert die geistige Auslastung eines Tieres Zeit vom Menschen – zuerst beim Lernen, dann beim immer wieder anwenden und darauf aufbauen.

Ob man es glauben möchte oder nicht, brauchen Hunde auch ein gewisses Maß an sozialer Auslastung. Diese betrifft sowohl den Kontakt zu seinen Menschen, aber auch zu Fremden, anderen Haustieren, tierischen Begegnungen in der Hundeschule oder im Park, ja sogar Wildtieren in der Natur. Soziale Auslastung ist nun nicht gleichbedeutend mit allgegenwärtiger Liebe zwischen all den Parteien. Das Projekt für den Hund lautet, alle Möglichkeiten kennen zu lernen, damit möglichst ohne Aggression, Angst und Stress umgehen zu können und notfalls einmal den Gehorsam über den Jagdtrieb zu stellen.

In jeder dieser Kategorien zeigt der Hund es deutlich, ob ihm etwas gefällt oder nicht, ob es ihm zu viel wird oder ob er noch mehr vertragen könnte. Darauf sollten Hundebesitzer natürlich reagieren. Die Belohnung ist ein ausgeglichener, glücklicher Hund.

Rassen und zeitweilige Überraschungen

Wer sich über bestimmte Rassen zum Beispiel im Internet schlau macht, bekommt meist auch gleich eine ausführliche Beschreibung, um welchen Typ Hund es sich handelt und wie man mit ihm umgehen sollte. Der Hütehund (Schäferhund, Border Collie…) braucht eine andere Zusammensetzung der verschiedenen Auslastungsbereiche, wie ein Jagdhund (Dackel, Bracke…), ein Apportierhund oder eben der Begleithund usw. So steht es zumindest in den Büchern und Beschreibungen im Netz. Den Gegenbeweis treten aber immer wieder Ausnahmen an. Überrascht kann man nämlich manchmal feststellen, dass zum Beispiel der als typischer Jagdhund bekannte Dackel auf das Zwergkaninchen im Stall aufpasst und es heiß und innig liebt, und es ihm gar nicht in den Sinn käme, das Tier als Beute anzusehen. Doch wie heißt es so treffend? Ausnahmen bestätigen die Regel.


 Bild von Free-Photos auf Pixabay

Über den Autor

Kai Nagel – Geschäftsführer bei R.Bubeck & Sohn

Kai Nagel ist Geschäftsführer der ältesten Hundefutter-Manufaktur der Welt, Bubeck, die seit 1893 besteht. Geboren in eine Familie mit einer tiefen Verwurzelung in der Landwirtschaft und der Tierernährung, bringt Kai über 50 Jahre Erfahrung und ein umfassendes Verständnis für die Bedürfnisse von Hunden mit. Seit die Familie Nagel die traditionsreiche Firma 1982 übernommen hat, setzt Kai die Vision fort, hochwertige Hundefutterprodukte zu entwickeln, die Gesundheit und Wohlbefinden von Hunden fördern. Mit seiner Leidenschaft für die Tierernährung und seinem umfangreichen Wissen teilt Kai in seinen Blogartikeln wertvolle Tipps und Einblicke, um Hundehaltern zu helfen, die bestmögliche Ernährung für ihre Vierbeiner zu finden. Bubeck füttert die Hunde!

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